Die systemische Familientherapie

Die systemische Familientherapie: Heilung für die ganze Familie

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Familien können für ihre Mitglieder ein Quell großer Freude und Unterstützung sein, aber auch zu Leid, Missverständnissen und Schmerzen führen, sodass das Zusammenleben keine Freude mehr bereitet. Über die Paarberatung hinaus betrachtet die systemische Familientherapie Problemstellungen nicht isoliert oder einseitig, sondern im Kontext einer Vielzahl von Faktoren und Wechselwirkungen innerhalb des jeweiligen Systems und seiner Umwelt. Das Erkennen und Analysieren der Interaktionen ermöglicht positive Veränderungen. Der zentrale Ansatzpunkt liegt in der Förderung der Stärken und der Nutzung von Ressourcen. Die systemische Familientherapie ist ein kurzzeittherapeutisches und lösungsorientiertes Verfahren. Sie ergründet dabei das Beziehungsgeflecht, das mit dem sogenannten „Familienbrett“ dargestellt werden kann. Neben der Psychoanalyse, Verhaltenstherapie und den humanistischen Therapien stellt die systemische Familientherapie eine weitere bedeutende Therapieform dar. Die systemische Familientherapie ist an den Beziehungsprozessen von Menschen interessiert, die an der Entstehung und Aufrechterhaltung eines Problems beteiligt und daher auch für Veränderungs- und Lösungsprozesse von Bedeutung sind. Dazu gehören nicht unbedingt nur Familienmitglieder, auch andere Personen oder Institutionen können von Bedeutung sein. Welche Ursachen und Auswirkungen psychische Schwierigkeiten innerhalb von Beziehungen haben und wie sie diese verändern können, ergründen Systemtherapeuten
mit ihren Klienten. Unter dem systemischen Ansatz in Beratung und Therapie versteht man eine ganzheitliche Blickrichtung und das Verständnis, wie wir alle miteinander vernetzt sind. Es geht um Beziehungen und um die wechselseitige Beeinflussung. In Anlehnung an das chinesische Sprichtwort „wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen“ wird aus systemischer Sicht wird primär nicht gewertet, sondern es wird respektiert, wofür sich ein Mensch im Moment entscheidet. Dafür gibt es immer berechtigte Gründe. Es kann in manchen Situationen momentan die beste Lösung sein, sich mit einer Mauer zu schützen. Es gibt aber dann aber auch Momente, in denen man, bildlich gesprochen, den Wind nutzen will, um Veränderungen zu bewirken. Ich habe grundsätzlich Vertrauen, dass meine Klienten das Wissen haben, wann der richtige Zeitpunkt für Veränderungen ist. Wenn sie zu mir in die Praxis kommen, sind sie dafür bereit. Was ermutigt Sie, sich mit den Fragen und Problemen der unterschiedlichsten Menschen zu beschäftigen? Mich faszinieren Menschen, ihre Lebenswege und die Gründe, warum sie so oder so handeln und agieren. Aufbauend auf diesem grundsätzlichen Interesse für den Einzelnen geht es darum, meinen Klienten zu helfen, Dinge richtig einzuordnen. Es gibt immer wieder Menschen, die glauben, dass es ihnen besser gehen würde, wenn sich nur das Umfeld ändert. Das Bewusstsein der Selbstverantwortung, also die Frage, was hat das alles mit mir selbst zu tun, was muss ich selbst tun, ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass ich erfolgreich arbeiten kann. Mich ermutigt, dass es manchmal schon in wenigen Gesprächen möglich ist, dieses Bewusstsein
zu schaffen und die Selbstreflektion zu fördern. Meine Klienten erkennen, dass ihr eigener Versuch, ein Problem zu lösen, dieses oft noch mehr verstärkt. Es handelt sich hierbei beispielweise um Lösungsversuche, wie etwa den Druck zu verstärken, Macht und Kontrolle zu erhöhen, Liebesentzug, Schweigen oder Rückzug, um nur einige zu nennen. Der Lösungsversuch wird dann jedoch selbst zum Problem.

Die systemische Familientherapie baut auf einer ganzheitlichen Blickrichtung auf

Die systemische Therapie entwickeltte sich in den 50er-Jahren in Amerika aus der Sozialarbeit und wurde von Virginia Satir geprägt. Sie wird als die „Mutter der Familientherapie“ bezeichnet und hat die Beziehungen der einzelnen Familienmitglieder
mit- und untereinander und deren Auswirkungen genau beobachtet. Bei der Systemischen Therapie werden Probleme, Symptome und Störungen nicht isoliert betrachtet, sondern es wird geschaut, in welchem Zusammenhang was bei wem und wann auftritt. Es gibt verschiedene Modelle, die zum Einsatz kommen: das Strukturelle, das Mehrgenerationale, das Strategische und das Konstruktivistische. Ein weiteres Modell, das ich in meiner Arbeit heranziehe, ist jenes der inneren systemischen Familie nach Richard Schwartz. Dabei handelt es sich um die Beschäftigung mit verschiedenen Persönlichkeitsanteilen und deren Beziehung zueinander. Jeder kennt das Gefühl, hin- und hergerissen zu sein, sich nicht entscheiden zu können. Ein Teil will vorwärts gehen, ein anderer Teil sagt ständig: „pass auf oder mach das nicht“. Wenn ein innerer Teil durch eine prägende Erfahrung die Oberhand gewinnt, kann dies hinderlich für die weitere persönliche Entwicklung sein.

Die Kindheit hat in der systemischen Familientherapie ein zentrale Bedeutung

Oft wirken sich Persönlichkeitsanteile, die durch Erfahrungen in der Kindheit entstanden sind, im Erwachsenenalter negativ aus. Die Kindheit ist unwiderlegbar jene Zeit, in der die nachhaltigsten Prägungen entstehen, die uns das ganze Leben begleiten. Vor allem beschäftigen uns traumatische Erfahrungen oder Bedürfnisse, die in der Kindheit im familiären Umfeld zu kurz gekommen sind. Oft treten daraus resultierende Probleme dann auf, wenn sich Faktoren und Rahmenbedingungen im Leben verändern, etwa durch das Ausziehen aus dem Elternhaus, die Geburt eines Kindes oder ähnliches.

Die systemische Familientherapie ist auch mit Einzelpersonen möglich

Es ist selten so, dass mehrere Familienmitglieder gleichzeitig zur Therapie kommen. Oft höre ich: Es hilft ja nichts, wenn ich mich ändere, die anderen müssen es tun. Das ist so nicht richtig! Verändern können wir nur uns selbst, und in der Folge verändert sich dann auch das Umfeld.

Der Beratungsablauf in der systemischen Familientherapie

Am Beginn stehen viele Fragen und das Zuhören. Dann wird das Ziel formuliert, was der Klient erreichen will, und daraus ergeben sich die weiteren Schritte. Ein Beispiel: Eine dreifache Mutter sucht mich auf und erzählt, dass sie ihrem Sohn zuliebe kommt. Sie verstehe sein Verhalten nicht, unter dem die ganze Familie leide. Ihr Mann bleibe extra länger in der Arbeit, weil er das Theater zu Hause nicht mehr aushalte. Bei der Einzelarbeit mit dem Sohn stellt sich heraus, dass er seinen Vater sehr bewundert und stolz auf ihn ist.
Leider müsse der Vater viel arbeiten und sei selten zu Hause. Der Bub meint sogar, dass er eigentlich gar keinen Vater habe. Nicht nur dem Sohn, sondern auch dem Vater geht es schlecht. Er ist bereit, in die Beratung zu kommen und zeigt sich zu Tränen gerührt, als er hört, wie sehr ihn sein Sohn bewundert und vermisst. Er erzählt, dass er selbst trotz beruflichem Erfolg bis heute noch keine Anerkennung von seinem Vater erhalten habe. Er erkennt, dass sich das Muster aus seiner Herkunftsfamilie wiederholt. Dies war der Schlüssel zur Veränderung, mit dem wir weiter arbeiten konnten.

Familienaufstellung und Familienbrett als Methodik für die systemische Familientherapie

Die Familienaufstellung gehört zu den metaphorischen Techniken und ist im Prinzip die Betrachtung eines Systems von außen. Bei der Aufstellungsarbeit werden Personen als Stellvertreter für Angehörige oder in Beziehung stehende Personen, die für das Anliegen relevant sind, in einer Skulptur zusammengefügt. Der Klient stellt die anderen Menschen in einem bestimmten Abstand zu sich auf und beschreibt so das Verhältnis zu den Mitgliedern z.B. seiner Familie. Ich persönlich arbeite nicht mit der Familienaufstellung, sondern mit dem Familienbrett. Beim Familienbrett, kommen Holzfiguren oder auch unterschiedliche Gegenstände als familiäre Stellvertreter zum Einsatz. Auf dem Familienbrett werden die Figuren auf einem Brett in Beziehungssituationen dargestellt und anschließend, auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse,Veränderungsmöglichkeiten besprochen.

Familienprobleme können bis zu sieben Generationen zurückreichen

Fachleute gehen heute davon aus, dass der Einfluss bis zu sieben Generationen zurückreichen kann. Was eine Generation z.B. an traumatischen Erlebnissen
nicht ver- oder bearbeitet hat, muss zwangsläufig die nächste tun. Themen, die mit den eigenen Eltern nicht erledigt wurden, werden an die Kinder übertragen.

Die systemische Familienberatung – Eine Therapie kann hilfreich sein bei:

  • Familienzuwachs
  • Erziehungsproblemen
  • Partnerkonflikten
  • Trennung
  • Krankheit
  • Kränkung
  • Tod eines geliebten Menschen
  • Schwierigkeiten in der Kommunikation
  • Außenbeziehungen
  • Gewalt in der Familie
  • Generationskonflikten
  • Veränderungen allgemein

Wir sind ein Teil eines größeren Systems und stehen mit allem in Verbindung. Jede Veränderung, die wir vornehmen, bewirkt eine Änderung im Ganzen. Oft sind es kleine Dinge, die eine große Wirkung entfalten.

In der Beratung begleite ich dich ein Stück deines Weges. Dabei helfe ich dir, deine Ressourcen und Stärken zu erkennen, um Schritte der Veränderung zu wagen.